HISTORIE - Tradition Jugendweihe
Von der Jugendweihe zur JugendFEIER
Die JugendFEIER des Humanistischen Verbandes hat eine lange Geschichte. Ihre Wurzeln reichen bis in die demokratischen und freireligiösen Bewegungen des 19. Jahrhunderts.
Aus einer außerkirchlichen Alternative zu Konfirmation und Firmung entwickelte sich über viele Jahrzehnte die heutige humanistische JugendFEIER: eine Feier, die junge Menschen nicht „weiht“, sondern sie in ihrem Schritt zu einem selbstbestimmten Leben begleitet.
Neue Ideen brauchen neue Feste
Während der bürgerlichen Revolution wandten sich aufgeklärte Mitglieder freireligiöser Gemeinden von den Kirchen und damit auch von Konfirmation und Firmung ab. Sie suchten nach einer neuen, außerkirchlichen Form, den Übergang junger Menschen in einen neuen Lebensabschnitt zu feiern.
Ein neuer Name: Jugendweihe
Erstmals tauchte der Begriff „Jugendweihe“ auf. Sie wurde als außerkirchliche Feier für etwa 14-jährige Jugendliche am Ende ihrer Schulzeit verstanden.
Die erste proletarische Jugendweihe in Berlin
Im Konzerthaus Leipziger Straße fand 1889 die erste proletarische Jugendweihefeier Berlins statt. Die Freireligiöse Gemeinde zu Berlin war zu dieser Zeit wegen ihrer freidenkerischen, religions- und staatskritischen Positionen starkem gesellschaftlichem und politischem Druck ausgesetzt.
Jugendlehrer Fritz Kunert gestaltete seit 1888 wöchentliche Jugendweihestunden für Kinder zwischen 8 und 14 Jahren. Kritische Religionsgeschichte und eine dogmenfreie Morallehre standen dabei im Mittelpunkt – für die damalige Zeit eine Provokation.
Aus einer kleinen Bewegung wird eine feste Tradition
Trotz politischer Repressionen fanden die Jugendweihen zunehmend einen festen Platz im Festkalender der Berliner Arbeiterschaft. Mit den großen Kirchenaustrittsbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewann die Jugendweihe weiter an Bedeutung.
Auch Sozialdemokratie, Gewerkschaften und Arbeiterjugend organisierten eigene Feiern. In der Weimarer Republik wurde die Idee einer vorbereitenden Bildungsarbeit zunehmend aufgegriffen.
Jugendweihe und Lebenskunde
In freidenkerischen Kreisen wurden die Jugendweihestunden zu einem ethischen und lebenskundlichen Unterricht weiterentwickelt. In Berlin, Hamburg und Thüringen erreichten diese Angebote sogar die Zulassung durch die Schulbehörden.
Gleichzeitig spiegelten die Festprogramme die gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzungen ihrer Zeit wider. Arbeiterlieder, Sprechchöre und die „Internationale“ stärkten ein proletarisches Gemeinschaftsgefühl.
Verbot und Verfolgung
Mit dem Verbot des kommunistischen Freidenkerverbandes im Mai 1932 und der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde die organisierte freidenkerische Jugendweihe weitgehend beendet. Vereinzelt fanden Jugendweihen illegal oder als private Feiern getarnt noch bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs statt.
Versuche der Nationalsozialisten, anstelle kirchlicher Konfirmationen eigene Verpflichtungsfeiern zu etablieren, konnten die freidenkerische Jugendweihe nicht ersetzen.
Zwei unterschiedliche Entwicklungen
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich Jugendweihe und Jugendfeier in Ost und West auf sehr unterschiedliche Weise.
Anknüpfen an die Tradition
In den Westsektoren Berlins lebte die Jugendweihe nach 1945 wieder auf. Wiedergegründete freidenkerische Organisationen konnten an die Traditionen aus der Zeit vor 1933 anknüpfen.
Jugendweihe unter staatlichem Einfluss
In der DDR war die Jugendweihe zunächst nicht zugelassen. Ab 1954 wurde sie staatlich etabliert und zunehmend politisch geprägt.
Aus Jugendweihe wird JugendFEIER
Seit den späten 1960er Jahren verwenden Organisationen, aus deren Tradition später der Humanistische Verband hervorging, zunehmend die Bezeichnung JugendFEIER. Vorreiter war dabei der bayerische Landesverband.
JugendFEIER heute
Heute gehört die JugendFEIER fest zur humanistischen Feierkultur. Vorbereitungsprogramm und Festveranstaltung gehören dabei zusammen.
Workshops, Projekte, Ausflüge und Camps geben Jugendlichen Gelegenheit, Neues kennenzulernen, eigene Stärken zu entdecken, Fragen zu stellen und sich mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinanderzusetzen.
Die Festveranstaltung macht schließlich sichtbar, worum es geht: Junge Menschen beginnen einen neuen Lebensabschnitt – selbstbestimmt, neugierig und mit wachsender Verantwortung für sich und andere.